Gewaltfreie Kommunikation: Dein Schlüssel zu einem stärkeren Founderteam

In der Welt der Startups und Unternehmertums herrscht oft ein hoher Druck – sei es zeitlich, finanziell, von Shareholder oder Kundenseite.

Konflikte? Sind oft an der Tagesordnung. Wie geht ihr damit um? Findet ihr Euch öfters in der folgenden Situation: Mit wehenden Fahnen und Vollgas in den Konflikt? Sofort auf Angriff schalten? Bei bestimmten Themen zuverlässig und mit Ansage? Es wird laut und irgendwann geht es nur noch darum, zu gewinnen oder Recht zu behalten, ohne Rücksicht auf Verluste?

Die Frage ist, wie kannst Du mit solchen Situationen gut und vor allem geschickt umgehen, ohne – wie die Wikinger im Bild – sofort zum Angriff überzugehen und ohne die Beziehungen in Eurem Founder Team oder deinem fachlichen Team zu belasten?

Es gibt grundsätzlich 3 Möglichkeiten, mit Konfliktsituationen umzugehen (-> s.h. Crucial Conversations).

  1. Wir können sie vermeiden.
  2. Wir können uns ihnen stellen und sie schlecht bewältigen.
  3. Wir können uns ihnen stellen und sie gut bewältigen.

Eine Möglichkeit, wie wir sie gut bewältigen können, ist die Methoden aus der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) auszuprobieren und anzuwenden.

Gewaltfreie Kommunikation – was ist das?

In a nutshell: Kurz gesagt, ist Gewaltfreie Kommunikation eine Art zu kommunizieren, die darauf abzielt, möglichst empathisch auf die Bedürfnisse aller Beteiligten einzugehen, anstatt schnell Kritik oder Urteile zu fällen. Also den Schritt zwischen gefühltem Angriff des Gegenübers und der eigenen automatischen Reaktion/Verteidigung bewusst zu nutzen, um andere Optionen zu erkennen. Im Sinne von Stephen Covey „Zwischen Reiz und Reaktion hat der Mensch die Freiheit zu wählen.“

Sie fördert Verständnis, und Zusammenarbeit, und auf lange Sicht, Vertrauen – essentiell für jedes erfolgreiche Gründerteam.

-> Lese hier weiter, falls du etwas mehr erfahren willst, ansonsten kannst du gleich zu den Beispielen weitergehen.

Die Gewaltfreie Kommunikation – von Marshall B. Rosenberg in den Ende der 60ger Jahren entwickelt – basiert auf dem Grundgedanken, dass hinter jedem Verhalten – egal wie das aussieht – ein Bedürfnis von uns steht. Sie zeigt Möglichkeiten auf, wie wir aus dem Kreislauf von Schuldzuweisungen und Konflikten ausbrechen können, indem wir uns auf vier Schlüsselaspekte konzentrieren:

(1) Beobachtungen, (2) Gefühle, (3) Bedürfnisse und (4) Bitten.

Indem wir lernen, folgende 4 Schritte zu gehen

  1. klare Beobachtungen ohne Bewertung zu äußern,
  2. unsere Gefühle dazu zu benennen – also wie wir uns in dieser Situation gefühlt haben, welche Gefühle es in uns ausgelöst hat,
  3. die dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen (gar nicht so einfach – geht aber mit Übung) und
  4. schließlich konkrete Bitten zu formulieren, wie wir uns die Situation wünschen würden,

bauen wir eine Brücke des Verständnisses und der Empathie zu unserem Gegenüber – sei es unser Mitgründer, Shareholder oder Mitarbeiter. Diese Methode ermöglicht es Teams, Spannungen nicht nur zu lösen, sondern auch ein tiefes Verständnis und eine starke Verbindung zueinander aufzubauen – wenn sie dies regelmäßig abwenden. Wunderbar üben könnt ihr das auch in euerem privaten Umfeld – mit euren Lifepartnern, Freunden oder Kindern. GFK ist mehr als nur eine Kommunikationstechnik; sie ist ein Weg, um mit Respekt, Mitgefühl und Authentizität zu interagieren, was die Grundlage für jede erfolgreiche Zusammenarbeit bildet.

Falls du mehr über die Entstehung der Gewaltfreien Kommunikation und tiefer in ihre Konzepte eintauchen willst, dann schaue dir bitte diesen Blog-Artikel von mir dazu an.

5 Beispiele, wie Gründer Gewaltfreie Kommunikation nutzen können

Im Folgenden habe ich ein paar Beispiele zusammengestellt, die dir einen ersten Eindruck vermitteln können, wie du GFK in verschiedenen Situationen anwenden kannst. Wie du siehst hilft es vor allem dabei, alle Perspektiven zu beachten, ohne verletzend zu werden.

  1. Umgang mit ständigem zu Spät kommen: Statt zu sagen: „Du bist immer zu spät zu unseren Meetings“, versuche: „Ich habe bemerkt, dass Du zu unseren letzten Meetings verspätet warst. Wie können wir in Zukunft sicherstellen, dass wir alle pünktlich beginnen können?“

  2. Umgang mit Terminverschiebungen: Anstelle von: „Du verschiebst ständig deine Deadlines.“ Probiere es mal mit: „Mir ist aufgefallen, dass einige Deadlines nicht eingehalten wurden. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir die Planung verbessern können, um gemeinsam unsere Ziele zu erreichen.“

     

  3. Ressourcenverteilung: Statt zu sagen: „Du nimmst immer die besten Ressourcen für dich in Anspruch.“ Versuche es mal so: „Ich sehe, dass du für Projekt Y viel Unterstützung benötigst. Lass uns besprechen, wie wir die Ressourcen gerecht verteilen können, damit alle unsere Projekte erfolgreich werden können.“

     

  4. Prioritäten setzen: Statt: „Wir können nicht immer nur an deinem Lieblingsprojekt arbeiten.“ Versuche: „Mir ist aufgefallen, dass wir viel Zeit in Projekt X investieren. Können wir gemeinsam unsere Prioritäten überprüfen, um sicherzustellen, dass alle Projekte die nötige Aufmerksamkeit erhalten?“

     

  5. Entscheidungsfindung: Anstelle von: „Deine Idee wird nie funktionieren.“ Versuche: „Ich verstehe deinen Ansatz, habe aber Bedenken bezüglich möglicher Risiken. Können wir die Vor- und Nachteile gemeinsam durchgehen?“

     

  6. Verteilung der Arbeitslast: Statt: „Ich bin der Einzige, der hier ernsthaft arbeitet.“ Versuche: „Mir ist aufgefallen, dass ich mich zuletzt sehr überlastet gefühlt habe. Können wir besprechen, wie wir die Arbeit gerechter verteilen können?“

     

  7. Umgang mit Investorenfeedback: Anstelle von: „Du hast bei dem Meeting mit den Investoren schlecht abgeschnitten.“ Versuche: „Das Feedback der Investoren war herausfordernd. Lass uns zusammen überlegen, wie wir unsere Strategie anpassen können, um ihre Bedenken zu adressieren.“

Weitere Situationen, in denen du die Methoden aus der GFK  gut anwenden kannst, sind aus meiner Sicht:

  • Konflikte in deinem Unternehmen entschärfen: Wenn zwei Mitarbeiter in deinen Teams aneinandergeraten,  und du entscheidest bei der Entschäfung helfen möchtest, dann schaffe erst einmal einen sicheren Raum, in dem beide Seiten offen sprechen können. Beginne damit, dass du jedem die Gelegenheit gibst, seine Sichtweise ohne Unterbrechung oder Urteil zu teilen. Dies hilft, Missverständnisse abzubauen und Empathie zu fördern. Nutze wieder die vier Schritte der GFK: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Ermutige jedes Teammitglied, aus seiner Perspektive zu beschreiben, was es beobachtet hat, welche Gefühle dabei entstanden sind, welche Bedürfnisse dahinterstehen und was es sich vom anderen wünscht. Dieser Prozess ermöglicht ein tieferes Verständnis für die jeweiligen Anliegen und kann dazu beitragen, eine Brücke zwischen den Parteien zu bauen.
  • Mitarbeiter Feedback geben: Das sind oft Gespräche, die wir nicht so gerne führen. Gerade, wenn es um Themen geht, die uns persönlich am Mitarbeiter stören oder die Leistung des Teams beeinträchtigen können. Die Balance zwischen Ehrlichkeit und dem Wunsch, die Beziehung nicht zu schädigen, ist wichtig, aber auch ganz schön tricky. Die Gewaltfreie Kommunikation bietet hierfür einen strukturierten Ansatz. Indem wir zunächst unsere Beobachtungen ohne Bewertungen äußern, eröffnen wir einen Raum für Verständnis. Anschließend teilen wir unsere Gefühle, die durch die Situation ausgelöst werden, und äußern unsere Bedürfnisse klar und deutlich.
  • Verhandlungen führen: Verhandlungen sind oft kritische Momente im Unternehmersalltag, insbesondere wenn es um Kunden, Dienstleister, Mitarbeiter oder Geldgeber geht. Selbst in harten Verhandlungen kann GFK auch hier ein gutes Werkzeug sein, um die Basis für eine Win-Win-Lösung zu legen.

Anstatt mit starren Forderungen oder Vorwürfen in eine Verhandlung zu starten, kannst du dir beim nächsten Mal vornehmen, die Bedürfnisse und Interessen aller Parteien zu erkunden. Dies beginnt mit aktivem Zuhören und der Anerkennung der Standpunkte der anderen Seite. Wenn du deine Anliegen formulierst, konzentriere dich darauf, Beobachtungen, statt Bewertungen zu teilen und deine eigenen Bedürfnisse klar, aber ohne Vorwürfe zu kommunizieren.

Alles klar – wie kann ich das üben?

Aus meiner Erfahrung heraus ist es besonders hilfreich zu üben, die eigenen Bedürfnisse im ersten Schritt zu erkennen und dann klar zu kommunizieren, ohne andere dafür verantwortlich zu machen („das ist alles deine Schuld..“, “.. wenn du nicht…“. – wir haben hier sicherlich alle wunderbare Beispiele schon gehabt, wie es nicht funktioniert).

Hier sind 2 praktische Übungen für dich, die du in deinem Alltag – ob beruflich oder privat ausprobieren kannst.

Und ja, du wirst jetzt vielleicht denken „da komm ich mir aber blöd vor“, „Das hört sich ja gar nicht authentisch an“ oder „Da merken die anderen ja gleich, dass ich am Wochenende ein Buch gelesen habe oder denken, dass ich auf ner Schulung war“. Das kann gut sein, am Anfang wird es dir mit Sicherheit etwas gestelzt und aufgesetzt vorkommen. Aber denke daran: Wie im Agilen – einfach mal raus, ausprobieren, anpassen und wieder vertesten. Finde deinen eigenen Stil und probiere es einfach mal für 4 Wochen aus – was ist das Schlimmste, was dir passieren kann?

Also, wenn du loslegen willst sind hier die beiden Übungen.

  1. Übung 1: Das 4-Schritte-Modell der GFK üben:

Übung: Wähle eine kürzliche Situation in Deinem Team, die für Spannungen gesorgt hat. Versuche, sie durch das 4-Schritte-Modell zu analysieren und notiere Deine Gedanken dazu.

    • Beobachtung: Was hast du gesehen oder konkret gehört?
    • Gefühl: Welche(s) Gefühl(e) hat das bei Dir ausgelöst?
    • Bedürfnis: Was glaubst du, welches Bedürfnis hinter diesem Gefühl(en) steckt? Am Ende des Blogs findest du eine Liste mit den gängigen Bedürfnissen, von denen du dich inspirieren lassen kannst.
    • Bitte: Um was würdest Du das nächste Mal deine Co-Founder gerne bitten, um Dein Bedürfnis zu erfüllen?

Aus meiner Erfahrung empfiehlt es sich, dass du diese Übung für dich machst und etwas einübst, bevor du sie dann „live“ ausprobierst. Es braucht etwas Übung, um hinter den Gedanken die tatsächlichen Bedürfnisse zu finden. Aber keine Angst, du schaffst das!

  1. Übung 2: Empathisches Zuhören:

Hier brauchst du einen „Partner“, mit dem du üben kannst, wirklich zuzuhören. Du kannst das auch „live“ machen, indem du dein Gegenüber einfach sprechen lässt und dann versucht das Gehörte wiederzugeben. Besser ist es hier, die einen Partner zu suchen, mit dem du das ausprobieren kannst. Prima funktioniert das auch in einer Partnerschaft, das schadet es meistens auch nicht 😉

  • Setze Dich mit einem Teammitglied zusammen und übe, wirklich zuzuhören, ohne zu unterbrechen, zu bewerten oder Lösungen anzubieten. Ziel ist es, die Perspektive des anderen vollständig zu verstehen.
  • Führe ein 10-minütiges Gespräch, in dem jeder Partner abwechselnd über ein aktuelles Anliegen spricht, während der andere nur zuhört und versucht, die Gefühle und Bedürfnisse des Sprechenden widerzuspiegeln. 10 Minuten, ohne Unterbrechung. Danach versucht der Andere, die Gefühle und Bedürfnisse wiederzugeben. Und dann werden die Rollen gewechselt – auch bekannt unter „Zwiegespräch“.

Zusammenfassung

Gewaltfreie Kommunikation kann die Art und Weise verändern, wie Du Konflikte in eurem Entscheiderteam angehst und Deine Teams leitest. Du kannst es schaffen, Ärger und Frust, den du aus bisherigen Begegnungen hast, umzuwandeln in gute Zusammenarbeit und Kooperation. Sie bietet dir Werkzeuge, um empathischer, effektiver und letztendlich erfolgreicher zu sein. Probier es einfach mal aus – Deine Mitgründer, deine Teams und deine Familie werden es Dir danken.

Wenn du Fragen zur Umsetzung hast, oder einen Partner suchst, mit dem du üben möchtest, dann melde dich hier einfach bei mir.

Quellen

– „Das können wir klären!“ – Wie man Konflikte friedlich und wirksam lösen kann von Marshall B. Rosenberg

– Cruicial Conversations: Tools for Talking When Stakes Are High | Patterson, Kerry, Grenny, Joseph, Mcmillan, Ron

– Die 7 Wege der Effektivität“ (2004) – Stephen Covey

Nutzung von ChatGBT für die Vorschläge zur Struktur und zum sprachlichen und grammatikalischen Feinschliff

Bildnachweis: Stock-Fotografie-ID:1062171118 von Lorado



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