Führungsstil in Krisenzeiten

Kaum zwei Jahre nach der Corona-Pandemie stehen viele Unternehmen wieder härteren Zeiten gegenüber: Stagnierende oder Rückläufige Umsätze, Investoren, die sich bei den ersten Anzeichen von Schwierigkeiten als „Schönwetter-Investoren“ entpuppen und den Druck erhöhen, statt zu unterstützen, sowie zunehmend komplexere und herausforderndere Finanzierungsrunden prägen das Bild. Der „State of European Tech“-Bericht von Atomico zeigt, dass die Investitionen von 100Mrd$ in 2021 auf knapp 45 Mrd$ in 2023 schrumpfen werden. In dieser Phase der Ungewissheit wird die wahre Essenz der Führung offenbart. Als Unternehmer stehst Du jetzt im Rampenlicht – welche Art von Leader bist Du?

In wirtschaftlich stabilen „Schönwetter-Phasen“ ist es ein Leichtes, der „Feel-Good-Manager“, der verständnisvolle Leader zu sein, der auf einen kooperativen Führungsstil  oder gar Selbstorganisations-Elemente setzt. Doch wenn der Gegenwind stärker weht, offenbaren sich wahre Führungsqualitäten. Zu oft sehen wir, wie Unternehmer in Krisenzeiten im „Panikmodus“ in alte Muster, wie z.B. den autoritären „Befehlshaber-Stil“ zurückfallen. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Verfechter eines situativ angepassten Führungsstils. Und gerade in Krisenzeiten sind klare, schnelle Entscheidungen und glasklare Anweisungen und Fokus oft genau das, was gebraucht wird. Doch es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Rückfall in überholte Verhaltensmuster damit entschuldigt werden kann. Rückfall in unsere alten Verhaltensmuster ist oft keine bewusste Entscheidung, sondern ein Automatismus, den uns unser Reptiliengehirn serviert. richtige Weg ist, insbesondere wenn das „Freeze, Flight, Fight“-Muster aktiviert wird und zum Amygdala-Hijack* führt.

Wenn Du in „Schönwetter-Zeiten“ auf einen kooperativen Führungsstil oder sogar auf Selbstorganisation setzt, aber bei Sturm zum Angst getriebenen „Diktator“ wirst, wirfst Du nicht nur die Werte über Bord, die Dir einst wichtig waren, sondern Du riskierst auch, die Unternehmenskultur nachhaltig zu beschädigen.

Was also tun, bevor Du auf Dein Team zugehst?

  1. Selbstreflexion: Erkenne, was genau Dich und Deine Amygdala triggert. Das machst du am besten, wenn du dir eine kleine Auszeit nimmst, ein paar tiefe Atemzüge nimmst, und dann darüber nachdenkst. Oder noch besser, du sprichst mit einem Sparring-Partner oder Vertrautem darüber.
  2. Best- und Worst-Case: Notiere Dir, was im schlimmsten und im besten Fall passieren könnte. Denke in Ruhe über mögliche Szenarien nach.
  3. Werte und Zweck: Besinne Dich auf die Werte und den Purpose, die Ihr im Unternehmen teilt und die dir und deinem Entscheiderteam wichtig sind.
  4. Werte leben: Überlege, welche Werte, bei dir in Krisenzeiten in Gefahr geraten könnten und welche Wege dir einfallen, diese Werte auch in schwierigen Zeiten zu bewahren.
  5. Rallying Cry„: Erstelle mit Deinem Führungsteam und deinen Mitarbeitern einen motivierenden Schlachtruf, der Euer Team durch die stürmischen Monate trägt.

Ein Beispiel? Während der Corona-Krise half ich einem Scale-up mit knapp 70 Mitarbeitern, deren oberstes Ziel es war, keinen Arbeitsplatz zu verlieren. Der von allen mitgetragene „Rallying Cry“ war das Versprechen, gemeinsam durchzustehen, selbst wenn Einschnitte nötig waren. Das Resultat: Kein einziger Job ging verloren. Das war ein Sieg für das gesamte Unternehmen.

Fazit:

Deine wahre Stärke als Führer zeigt sich nicht, wenn Du das Schiff durch ruhige Gewässer steuerst, sondern wenn Du durch den Sturm navigierst, ohne den Kurs zu verlieren. Besinne Dich auf Deine Werte, kommuniziere transparent und finde einen Weg, der Euch alle stärkt – das ist wahre Führungskunst.

*Der Amygdala-Hijack schnappt zu, wenn Stress unser emotionales Gehirn überrennt – plötzlich regieren Instinkte statt Einsicht. Ausgelöst durch akuten Stress, lässt er uns kämpfen, fliehen oder erstarren, ohne Raum für rationales Denken. In der Steinzeit war das für uns Menschen der Überlebensmechanismus – wenn wir Säbelzahntigern gegenüberstanden. Heute reagiert die Amygdala auf als Bedrohung empfundene Situationen (z. B. auch soziale) mit dem selben Mechanismus. Kennst Du das auch? Du reagierst plötzlich, bist entweder von 0 auf 180 oder wie eingefroren- alles geht blitzschnell und hinterher fragst du Dich, warum? Das ist der Moment, in dem Deine Amygdala das Steuer übernimmt. Als Leader und Unternehmer ist es entscheidend, diesen Mechanismus zu verstehen und zu lernen, wie Du ihn für dich erkennen kannst, um den Autopiloten auszubremsen und um klar und besonnen zu bleiben. Es erfordert etwas Übung, aber es geht. Wie genau, das erkläre ich hier in einem anderen Blog*

 



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